Die digitale Welt rast voran, und mit ihr die künstliche Intelligenz (KI). Was vor wenigen Jahren noch Science-Fiction war, ist heute Realität: KI kann Texte schreiben, Bilder generieren, Musik komponieren und sogar Videos erstellen, die kaum von menschlicher Arbeit zu unterscheiden sind. Für Designer, Content Creator und Unternehmen in der Schweiz eröffnen sich damit ungeahnte Möglichkeiten – aber auch komplexe rechtliche Fragen, insbesondere im Bereich des Urheberrechts. Die Herausforderung rund um das Urheberrecht bei KI-generierten Inhalten ist nicht nur akademischer Natur, sondern hat direkte, existenzielle Auswirkungen auf Ihre kreative Arbeit und Ihr Geschäftsmodell. Wer besitzt die Rechte an einem Bild, das eine KI aus Millionen von Datensätzen generiert hat? Kann ein Text, der von einer Maschine verfasst wurde, überhaupt urheberrechtlich geschützt sein? Diese Fragen sind entscheidend, um Innovationen sicher zu nutzen und gleichzeitig Ihr geistiges Eigentum zu schützen.
Die aktuelle Rechtslage in der Schweiz: Ein Blick auf das Wesentliche
Das Schweizer Urheberrecht, verankert im Urheberrechtsgesetz (URG), schützt «geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die einen individuellen Charakter aufweisen». Der Schlüsselbegriff hier ist «geistige Schöpfung» – sie impliziert einen menschlichen Schöpfer, eine Person, die mittels ihrer intellektuellen Fähigkeiten und ihres kreativen Geistes etwas Neues und Eigenständiges hervorbringt. Dies stellt die KI-generierten Inhalte vor eine grundlegende Herausforderung.
Wer ist der Schöpfer? Mensch oder Maschine?
Nach aktuellem Schweizer Recht wird davon ausgegangen, dass nur ein Mensch Urheber sein kann. Eine KI, so hochentwickelt sie auch sein mag, besitzt keine eigene Persönlichkeit, keine Absichten oder kreativen Impulse im menschlichen Sinne. Das bedeutet, dass ein Werk, das ausschliesslich und autonom von einer KI geschaffen wurde, nach der derzeitigen Rechtsauffassung in der Schweiz keinen Urheberrechtsschutz geniesst. Es fehlt ihm am Merkmal der «geistigen Schöpfung» durch einen Menschen. Dies ist eine wichtige Erkenntnis für alle, die KI-Tools nutzen: Ein vollständig maschinell erzeugtes Werk ist prinzipiell «gemeinfrei», das heisst, es kann von jedermann frei genutzt werden.
Inputmaterial und Output: Wo lauern die Fallen?
Die Situation wird komplizierter, wenn der Mensch in den Prozess eingreift. Oft dient die KI als Werkzeug, ähnlich wie ein Pinsel oder eine Kamera. Wenn der menschliche Input massgeblich ist – beispielsweise durch detaillierte Prompts, die Auswahl spezifischer Stile, die Bearbeitung des Outputs oder die Anweisung einer komplexen Struktur – dann kann der menschliche Beitrag eine «geistige Schöpfung» darstellen und somit Urheberrechtsschutz geniessen. Hier ist der Grad der menschlichen Intervention entscheidend. Ein einfacher Befehl wie «Erstelle ein Bild eines Hundes» wird kaum ausreichen, um eine Urheberschaft zu begründen. Ein detaillierter Prompt, der Stil, Komposition, Lichtführung und Stimmung präzise vorgibt, kann jedoch anders bewertet werden.
Eine weitere wichtige Falle betrifft das Inputmaterial. Viele KI-Modelle werden mit riesigen Mengen an Daten trainiert, die urheberrechtlich geschützte Werke enthalten können. Wenn der Output einer KI eine eindeutige Kopie oder eine unzulässige Bearbeitung eines bestehenden urheberrechtlich geschützten Werkes darstellt, kann dies eine Urheberrechtsverletzung durch den Nutzer der KI bedeuten. Hier müssen Sie als Nutzer sicherstellen, dass die Verwendung der KI nicht zu einer Verletzung fremder Rechte führt.
Praktische Implikationen für Designer, Content Creator und Unternehmen
Die unklare Rechtslage macht einen proaktiven Umgang mit KI-generierten Inhalten unerlässlich. Hier sind praktische Tipps, um Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen:
Sicherstellung der Urheberschaft: Was können Sie tun?
- Dokumentieren Sie Ihren Prozess: Halten Sie fest, welche Prompts Sie verwendet haben, welche Parameter Sie eingestellt haben und wie Sie den Output der KI bearbeitet oder weiterentwickelt haben. Je mehr menschlicher Input und kreative Entscheidungen dokumentiert sind, desto stärker ist Ihre Position im Falle einer Urheberrechtsstreitigkeit.
- Eigene kreative Leistung einbringen: Verlassen Sie sich nicht ausschliesslich auf die KI. Nutzen Sie KI als Assistenz und fügen Sie immer einen substanziellen Anteil Ihrer eigenen kreativen Leistung hinzu. Dies kann durch die Nachbearbeitung, die Integration in ein grösseres Werk oder die Verwendung der KI-Outputs als Ausgangspunkt für eigene, originelle Kreationen geschehen.
- Lizenzbedingungen der KI-Tools prüfen: Jede KI-Plattform hat eigene Nutzungsbedingungen. Klären Sie, wie die Plattform mit den generierten Inhalten umgeht, wem die Rechte zustehen und ob Sie die generierten Inhalte kommerziell nutzen dürfen. Einige Tools beanspruchen möglicherweise selbst Rechte an den Outputs oder beschränken deren Nutzung.
- Vorsicht bei der Reproduktion: Prüfen Sie den Output der KI kritisch auf Ähnlichkeiten mit bestehenden Werken. Auch wenn eine KI angeblich «neue» Inhalte generiert, kann es zu unbeabsichtigten Reproduktionen kommen, die Sie rechtlich angreifbar machen könnten.
Risikomanagement: Abmahnungen und Lizenzfragen
Für Unternehmen, die KI-generierte Inhalte in grossem Massstab einsetzen oder in ihre Produkte integrieren, ist ein solides Risikomanagement entscheidend. Ohne klare Urheberschaft können Ihre Investitionen in KI-Content wertlos sein, da Dritte diesen frei nutzen könnten. Zudem besteht das Risiko von Abmahnungen, wenn die KI auf urheberrechtlich geschützten Daten trainiert wurde und der Output eine Verletzung darstellt. Klären Sie interne Richtlinien für den Einsatz von KI und schulen Sie Ihre Mitarbeiter im bewussten Umgang mit dieser Technologie.
Zukunftsausblick: Brauchen wir neue Gesetze?
Die rasante Entwicklung der KI stellt das aktuelle Urheberrecht vor Herausforderungen, für die es nicht konzipiert wurde. Weltweit und auch in der Schweiz wird intensiv darüber diskutiert, ob das Urheberrecht an die Realität der KI angepasst werden muss. Es gibt Überlegungen, spezifische Schutzrechte für KI-generierte Inhalte einzuführen oder die Definition der «geistigen Schöpfung» zu erweitern. Bis dahin bewegen wir uns in einem Graubereich, der ein hohes Mass an Sensibilität und rechtlicher Vorsicht erfordert. Bleiben Sie informiert über legislative Entwicklungen, denn die Regeln können sich ändern.
Die Nutzung von KI bietet enormes Potenzial für kreative Branchen und Unternehmen. Doch die rechtliche Unsicherheit im Bereich des Urheberrechts bei KI-generierten Inhalten kann zu erheblichen Risiken führen, wenn sie nicht sorgfältig gemanagt wird. Um Ihr geistiges Eigentum zu schützen, Compliance zu gewährleisten und Ihre Innovationskraft langfristig zu sichern, ist eine fundierte IP-Strategie unerlässlich. Nur so können Sie die Chancen der KI voll ausschöpfen und gleichzeitig die rechtlichen Klippen umschiffen. Lassen Sie Ihre IP-Schutzstrategie prüfen.
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